Kunst im Zoo

Es heißt auf Kampnagel. Nicht in oder am. Es heißt auf Kampnagel. Denn früher war es eine Fabrik, die Kräne herstellte. Heute wird dort noch immer produziert. Keine Kräne, sondern Theater. Kunst genauer gesagt. Und auf jenem Kampnagel gibt es jetzt nicht nur Theater, die klassische Kunst oder den Henry-Nannen-Preis der hier dieses Jahr erstmals verliehen wurde, sondern auch einen Zoo. Genauer: Einen Zoo3000. Etwas futuristisch, wenn man sich überlegt, dass wir erst das Jahr 2013 haben, und doch passt es genau in unsere Zeit.

Als moderne und aufgeschlossene Gesellschaft machen wir uns schon lange Gedanken darüber, weshalb Tierarten vor Millionen von Jahren ausstarben, ob in der Wissenschaft oder im Feuilleton. Nicht das uns hinterher der gleiche Fauxpas noch einmal passiert. Künstlerische Ansätze dazu gibt es nun beim LIVE ART FESTIVAL. Der eine hat Tänze zu ausgestorbenen Tierarten entwickelt, der andere lässt einen Esel ein Theaterstück leiten und lenken, um das Verhältnis von Mensch und Tier zu erkunden.

Apropos Tier, der rechtmäßige Träger der Krone der Schöpfung. Nun hat er seine Krone endlich bekommen. Zumindest auf Kampnagel. Doch warum grade auf Kampnagel? Vielleicht weil es selbst eine Art Hybrid ist – ein Hybrid zwischen Theater, Galerie und Museum. Eben schlicht ein Ort für den modernen Diskurs.

Und die Natur ist da sehr ähnlich – vielleicht sogar das Vorbild für Kampnagel – sie schafft nicht nur den Lebensraum für ein Geschöpf, sondern für viele verschiedene; und das gleichzeitig. Nicht nur gleichzeitig, sondern auch gleichberechtigt. Nichts hat Vorrang in der Natur, so auch auf Kampnagel. Die Zoo3000-Ausstellung im Foyer wird genauso hoch gehandelt, wie der Esel auf der Bühne. Und um das abzurunden gibt es während des Festivals kein totes Tier im „Casino“, das Restaurant auf dem Kampnagel-Gelände, wo sonst auch Fisch und Fleisch auf den Tisch kommt.

Kampnagel, der Ort, an dem schon immer Dinge geschaffen wurden, die unkonventionell und alles andere als traditionell sind. So hat das Live Art Festival viele Premieren aus aller Welt versammelt. „Kunst“ ist dabei weit gefasst: Vorträge auf Englisch, Diskussionen, die Konferenz, alles was man eigentlich von Fachtagungen kennt. Eben ein Ort für den modernen Diskurs. Wieso auch nicht? Das Lernen nicht zu verlernen ist sicherlich auch eine Kunst.

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