Hybrid: Zwischen Mensch und Werwolf

Und dann war es dunkel. Die Stirn roch noch immer nach der seltsamen Pesto-Salbe, die eingangs auf die Stirn aufgetragen wurde. In der Ecke ist ein Schatten zu erkennen, sicherlich nicht von großer Bedeutung. Doch dann bewegt er sich und entpuppt sich als übergroße Fledermaus, kopfüberhängend an einer Stange. Bilder flackern auf, immer und immer wieder. Fledermäuse, Werwölfe, Vampire.

Die bildende Künstlerin Corinna Korth spricht in ihrer Performance „Back to the Bone“ von Riten, Traditionen und immer wieder von Werwölfen. Sie selbst war einer. Das behauptet sie zumindest. Hybride nennen sich solche Menschen. Menschen, die einen Teil ihres menschlichen Dasein mit einem Teil eines tierischen Daseins verschmelzen lassen. Corinna Korth sieht Hybride überall, ob in der Zeitung oder bei Menschen, die Adler oder Hirsch mit Nachnamen heißen. Sie bilden den Anfang der Wandlung des Menschen, davon ist Corinna überzeugt. Selbst überzeugter Wolfshybrid, hat sie sich sogar Fangzähne dafür implantieren lassen.

Inzwischen fängt die Salbe auf der Stirn an zu jucken. Vielleicht verwandle ich mich auch gerade? Vielleicht werde ich gerade zum Werwolf oder zu einem Vampir. Die Vorstellung allein spielt mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich und ein Werwolf, ich die Vollmonde liebt.

Corinna Korth ist derweil auf der Bühne in ihre eigene Welt aus Hybriden eingetaucht. Tanzt um eine provisorische Feuerstelle, es hat etwas Animalisches. Diese Zähne, der Gang und dann noch ihre Transformation in Rumänien. Hierhin ist sie extra gereist, um an einem alten Ritual zur Hybridentransformation teilzunehmen. Angeblich hat sie sich hier auch verwandelt. Nur die Bildbeweise lassen daran zweifeln.

Die Bilder flackern weiter, Corinna tanzt noch immer, um dann auf der Bühne zu liegen und wieder von Hybriden, Transformationen, Werwölfen zu erzählen. Ob sie wohl weiß, dass für uns diese Welt voller Hybride und Wesen aus Mythen völlig neu und unbekannt ist. Dass wir eigentlich nur eine einfache Vorstellung über die alten Dracula-Sagen erwartet haben. Stattdessen bekommen wir einen Vortrag. Einen Vortrag über eine angeblich geglückte Verwandlung zu einem Werwolf. Einen Vortrag über eine Salbe, die unangenehm auf der Stirn juckt. Und einen Vortrag von einer Frau, die denkt, dass Hybride die einzige logische Weiterentwicklung des Menschen ist.

Corinna Korth gibt nicht auf. Sie erzählt von ihrem Institut, das sich der Forschung von Hybriden verschrieben hat. Zumindest lässt der Name „Institut für Hybridforschung“ darauf schließen. Und sie erzählt eben von der Reise nach Rumänien, wo sie sich tatsächlich transformierte. Die projizierten Bilder an der Wand belegen das. Ich sehe nur Bilder von einer Frau, die sich Zähne hat implantieren lassen. Und eine Frau die mit Wölfen spricht, als wären es Hunde. Aber Corinna Korth ist ein Hybrid. Ein Werwolf. Manchmal auch eine Fledermaus. Und wenn wir lange genug die Salbe auf der Stirn haben, werden  auch wir zu Werwölfen – das verspricht zumindest diese seltsame Pesto-Salbe.

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