Hinter den Kulissen – Als Techniker auf dem Live Art Festival

Bildschirmfoto 2014-06-17 um 18.22.56© Hubertus J. Schwarz / Hinter den Kulissen / 2014

Sie sind die guten Geister hinter einer perfekten Performance: Die Techniker. Wie von Zauberhand tauchen sie die Bühne in buntes Licht, arrangieren die Shows und sorgen dafür, dass die Besucher nur Ausgepegeltes auf die Ohren bekommen. Wir haben mit Lichtmann Lars Rubarth gesprochen, der uns nicht nur einen Einblick in seinen Festival-Alltag gibt, sondern gemeinsam mit uns einen weiteren Schritt in Richtung Performance-Welt geht.

Hallo Lars, schön dass du Zeit für uns gefunden hast. Wir möchten auf diesem Festival alle Ebenen der Beteiligten abdecken, von den Künstlern über die Leute, die hinter der Bühne arbeiten, und ohne Techniker geht ja bekanntlich nichts. Deswegen erklär uns doch einmal, was dein Job hier auf dem LiveArt-Festival ist.

Lars: Mein Job beinhaltet sowohl Vorarbeit als auch Betreuung. Es war klar, welcher Techniker während der Woche in welcher Halle arbeiten würde, wenn man frühzeitig Wünsche einträgt, kann man sich das sogar teilweise aussuchen. Dann tritt man im Vorwege mit den Künstlern in Kontakt, um herauszufinden, was die haben wollen, damit man am Ende nicht dasteht und nicht genau weiß, was die machen. Das heißt, Absprachen treffen. Auf der Bühne erarbeiten wir später mit dem Equipment, das wir vor Ort haben, die Show, um alle Wünsche möglich zu machen. Mein Bereich ist in dem Fall Licht gewesen. Gemeinsam mit einer zugereisten Lichtdesignerin habe ich die Show entwickelt und hier vor Ort programmiert.

Du hast in dem Fall Neal Medlyn übernommen. Hast du dir den auch ausgesucht oder wurde er dir über die Halle zugeteilt?

Lars: Nee, ich habe mir tatsächlich Neal ausgesucht. Es gab zwei Produktionen, die ich interessant fand. Einmal Giselle, ein klassisches Ballett, das mit Cyberpunk-Elementen aufgeführt wird. Dort war allerdings schnell klar, dass es von den technischen Anforderungen her eher langweilig werden wird. Und Medlyn war der zweite. Das Konzept, dass er in drei Tagen sechs Künstler performativ bearbeiten will, fand ich unglaublich witzig. Ich habe mir auch die Videos dazu angeguckt und dachte, das finde ich gut, da mache ich mit.

Wie viele Probedurchgänge braucht ihr denn, bis alles klappt?

Das hängt von der Vorstellung ab. Bei Neal Medlyn war es so, dass wir einen Tag Einrichtungszeit hatten. Dann wurde täglich erst von 10.30 bis ungefähr 16 Uhr die Show für den Abend programmiert. Dabei gibt es immer einen Durchlauf, bei dem nochmal Kleinigkeiten geändert werden können. Somit haben wir im Endeffekt einen Probedurchlauf für so eine Performance. Aber es gibt natürlich auch Stücke, die klassischen Tanz- und Performancestücke, die hier stattfinden, bei denen man einen Einrichtungstag und dann ein bis zwei Probentage hat.

Und wie sieht ein typischer Arbeitsalltag von dir aus, wenn das LiveArt-Festival läuft? Wann kommst du, wann gehst du, was passiert?

Wir haben bei diesem LiveArt-Festival unsere Schichten geteilt. Um 10.30 Uhr war ein Kollege von mir da, der schonmal vorprogrammiert hat. Ich bin um 14 Uhr dazugekommen, hab mir erstmal einen Kaffee geholt, hab allen nett Hallo gesagt… Man muss einfach eine nette Atmosphäre schaffen. Und dann setzt man sich ans Pult. Am Einrichtungstag selber ist man natürlich früher da. Um 8 oder um 10.30 Uhr, je nachdem, wie die Schichten gelegt sind, und baut erstmal den ganzen Tag auf. Man guckt, mit wem man zusammenarbeitet, was an Equipment disponiert ist, dann geht man ins Lager, holt sich was man braucht, fährt es in die Halle, baut es auf und guckt, ob alles funktioniert. Und an dem Tag, an dem die Künstler da sind, programmiert man dann eigentlich nur noch die Shows. Dabei sitzt man vor allem am Computer. Obwohl ich eigentlich gar nicht so der Computerfan bin, sitze ich dann vor einem Bildschirm in einem abgedunkelten Raum und gestalte.

Du scheinst wenn du so erzählst relativ Performance-erfahren zu sein. Du bist jetzt schon drei Jahre hier auf dem Kampnagel, wie du uns vorher gesagt hast. Wie bist du dazu gekommen, gerade hierher zu gehen? Beim Kampnagel weiß man ja, es ist ein bisschen extravaganter und es zielt viel auf Performance ab.

Ich habe jetzt meine Ausbildung gemacht und davor schon fünf Jahre in der freien Theaterszene gearbeitet. Dabei habe ich immer wieder gemerkt, dass ich Sprechtheater ganz gut finde und mich gerade auch für Performance- und Tanzgeschichten begeistern kann. Deswegen habe ich mich auch entschieden, die Ausbildung zu machen und da war der Kampnagel programmatisch für mich die einzige Adresse, die dem entsprochen hat, was ich so machen wollen würde. Vorher war ich auch schon oft als Gast hier.

Wir haben oft versucht, Performance irgendwie zu definieren …

…Kann man nicht.

Genau, das wäre jetzt meine Frage an dich gewesen. Geht das?

Also es gibt in Hamburg einen Studiengang, der nennt sich Performance Studies, und selbst die Leute, die das studieren, können dir nicht sagen, was eine Performance tatsächlich ist. Es reicht von einer Person, die 20 Minuten einfach nur auf der Bühne steht und nichts macht bis zu Leuten, die sich mit Essen bewerfen und dabei tanzen. Das ist ein so breites Feld. Alles, was auf der Bühne stattfindet und irgendwie ein Ausdruck von Persönlichkeit oder Erfahrung ist, kann man als Performance bezeichnen. Es gibt da kein klar umrissenes Bild.

Hast du letztes Jahr auch schon mitgemacht?

Ja, da habe ich die God’s betreut. Da hatten wir den Human Zoo hier, in dem Randgruppen in Käfige gesperrt wurden. Punker, ein paar Obdachlose, ein Asylbewerber, eine alleinerziehende Mutter. Die konnte man dann angucken und sogar Snacks für gab es für sie! Also wirklich eine krasse Sache, dieses Zoogefühl zu haben, aber Menschen anzugucken.

Bildschirmfoto 2014-06-17 um 16.20.58© Hubertus J. Schwarz / Hinter den Kulissen / 2014

Kannst du eine Bilanz vom diesjährigen Festival ziehen, vielleicht auch in Hinsicht auf letztes Jahr? Hat sich etwas entwickelt oder ist Performance einfach was, was für sich selber steht und bei dem man gar nicht von Entwicklung sprechen kann?

Nun ja, es gibt durch die God’s Entertainment und HGichT, die zusammen ein Konzept erarbeitet haben, tatsächlich so eine Art Progression in dieser Entwicklung, da die sich das letzte Mal hier gefunden haben und nun gemeinsam auftreten. Aber ob es jetzt besser oder schlechter ist, müssen die Leute entscheiden. Dazu stecke ich zu tief drin, ich arbeite ja damit. Und eigentlich bin ich auch nur in meiner Halle. Dadurch sehe ich relativ wenig von dem Drumherum.

Da du selbst aus der Künstlerszene kommst: Würde es dich nicht reizen, einmal die Ebene zu wechseln und selbst auf der Bühne zu stehen?

Nein! Auf gar keinen Fall. Ich habe das ein Mal gemacht und es ist so schlimm, wenn man auf der Bühne ist, weil man dann ja gar nicht sieht, was dort passiert. Das war total unbefriedigend. Ich finde es schön zu sehen und mitzugestalten, wie eine Performance entsteht, aber Teil auf der Bühne zu sein finde ich ganz gruselig. Das ist für mich kein schönes Gefühl. Erstmal von allen angeguckt zu werden und dann nur ein kleiner Teil zu sein, nur einen kleinen Ausblick zu haben.

Obwohl du Künstler bist.

Ja, ich gehöre einfach hinter die Bühne.

Und nun als abschließende Frage, vor allem für das nächste LiveArt-Festival: Was würdest du jedem raten, der sich ein Performance-Stück angucken möchte?

Erstmal: Versucht nicht zu verstehen, was euch da jemand erklären will. Lasst es auf euch wirken, ohne Hintergrundgedanken, sondern guckt einfach, was die da machen. Und entweder berührt es euch, oder eben nicht.

Vielen Dank für dieses schöne Interview, Lars!

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