Die uns das Fürchten lehren

Hubertus J. Schwarz_Exzess Goa Party_Kampangel_2014_2Hubertus J. Schwarz / Exzess Goa Party / 2014

HGich.T und God’s Entertainment funktionieren als Theateranarchisten und Medienverweigerer. Beim Live-Art-Festival auf Kampnagel führten sie in den geplanten Exzess.

Sie liegen auf dem Boden, in Lachen aus verschüttetem Bier, Schweiß und Neonfarben, die Kinder des Wahnsinns. Wie die Schmeißfliegen im Netz der Spinne strampeln die Besucher des diesjährigen Live Art Festivals mit den Beinen und bleiben doch gefangen. In dem verkrampften Versuch das Bewusstsein zu erweitern, sind sie blindlinks in die Falle des Schwarzen Witwers geflogen. Der Exzess auf Kampnagel hat seinen Zenit überschritten und feiert sich selbstherrlich als quasi-gnostische Glaubenslehre über Sieg und Niederlage.

„Verschwende dich, deine Rente oder was auch immer“, so schreit es einem aus dem Programm des sechsten Live-Art-Festivals entgegen. Unter dem Motto „Excess Yourself“ prallen die beiden Performance Kollektive HGich.T und God’s Entertainment aufeinander. Sie wollen mit ihrer Co-Produktion nicht weniger als ein Gegenmodell zum Neuen Menschen entwerfen. Der Neue Mensch, für die Nationalsozialisten war er der rassenreine Arier, für die Kommunisten eine gleichgeschaltete Drohne destilliert durch die Rote Revolution ­– ein Arbeitstier und kaltblütiger Krieger, wie Ernst Jünger ihn stilisierte.

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Die ganze Wahrheit

Kampnagel-Die-Ganze-Wahrheit© Steffen Peters / Hubertus J. Schwarz / Die Ganze Wahrheit auf Kampnagel / 2014

Die Pop Star Series sind vorüber, die Toten vom Schlachtfeld der Bühne gekarrt. Neal Medlyn ging über drei Tage in die Vollen – eine Vorschau.

Der queere New Yorker Performance-Künstler gilt als Paris Hilton der Performance-Szene. Er imitiert in seinen außergewöhnlichen Shows verschiedene Pop-Star-Persönlichkeiten, ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren. Selbst beschreibt er seine Performance Konzerte als „bomb ass music based extravaganza“. 2010 gewann Medlyn den Dance and Performance „Bessier Award“ als bester Künstler und arbeitete bereits mit Künstlern wie „Beastie Boy Ad Rock“ zusammen. Die „Pop Star Series 1-6“ feiern auf Kampnagel Europapremiere.

Drei Tage sind vorüber, Performance-Künstler Neal Medlyn hat uns das Fürchten gelehrt, das Staunen und vielleicht auch eine Portion Demut vor der Gewalt des Pop. Ob die Perforamce gelungen ist, dass wissen nur er und sein Kumpel Mr. Bear. Für alle, die dieses Feuerwerk der Groteske verpasst haben oder denen es nach einer Rückschau gelüstet, die vollständige Rezension erscheint sehr bald und nur hier!

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Videoschmankerl zum Festivalauftakt

Exzess wird Methode. Als internationaler Theater-Rave mutiert Kampnagel zum Acid Bayreuth.

Mit den Kollektiven HGich.T und God’s Entertainment funktioniert Goa als soziale Praxis, Neal Medlyn zelebriert seine Europa-Premiere der Pop-Star-Series, von Ariel Eshraim Ashbel gibt es eine Post-Koloniale Performance-Praxis und darüber hinaus noch vieles mehr. Der liveartfestival Blog berichtet auch dieses Jahr wieder exklusiv und hautnah über Performance, Kunst, und Chaos rund um das Live Art Festival auf Kampnagel. Ein erstes Video mit Impressionen der verschiedenen Künstler gibt es als kleines Schmankerl vorweg:

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Wenn Journalisten Drogen schlucken

Medienhölle ahnungsvoll Hubertus

© ahnungsvoll / Medienhölle / 2010

Objektivität ist eine Illusion. Auf welche Hilfsmittel sich ein Journalist auch stützt, er wird nie genügend Abstand zwischen sich und seine Inhalte bringen, um endgültige Gleichgültigkeit zu erlangen. Warum es also versuchen?
 
Objektiver Journalismus, auf den Speisekarten der Journalistenküchen und für die Blue Chips der Medienbranche steht er synonym für seriösen, vollmundigen Journalismus. Man hält den eigenen Geschmack heraus aus der Berichterstattung. Das geschieht mit dem Ziel, wertfrei zu bleiben und den Leser nicht in eine bestimmte Richtung zu lenken. Die Tagesthemen wollen informieren, nicht kommentieren. Der Spiegel kostet Debatten bloß an, er backt sie nicht selbst, lässt allenfalls seine Edelfedern eine vorgeblich unabhängige Meinung zusammenbrühen. Doch köchelt unter dem glattglänzenden Topfdeckel jedes Mediums eine politische Agenda, und die ihm eigene Gewürzpalette aus Werten bedient jeden Redakteur. Nach solchen Rezepten werden die eintrudelnden Informationen wiedergekäut und neu serviert. Ab dem Moment, in welchem der Journalist beginnt, Inhalte zu verfassen, begibt er sich jedoch zwangsläufig in eine immerwährende Grauzone zwischen dem, was er denkt, weglässt und letztendlich wirklich schreibt oder moderiert.
Menschen im Allgemeinen und Medienvertreter im Besonderen sind nie objektiv und sollten nicht versuchen Gegenteiliges aufzutischen. Was aber wäre die Konsequenz, die wir ziehen sollten, was bliebe als Alternative?

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