Wenn Menschen mit den Bäumen kuscheln

Bildschirmfoto 2014-06-19 um 23.25.09© Hubertus J. Schwarz / Gespräche im Avant-Garden / 2014

Ekstase und Chaos regieren auf Kampangel. Das diesjährige Live Art Festival steht unter dem Motto „Excess Yourself!“. Aber wo Schatten ist, gibt es immer auch Licht. In diesem Fall bewahren die Raumkünstler des Kollektivs REFUGIUM einen Hort der Ruhe und Entspannung in dem sich die Festivalbesucher von den Strapazen erholen sollen. Hier gibt es die Möglichkeit zum Earthing, einer Pflanzenmeditation oder der Austreibung böser Dschinnis durch einen Azubi-Schamanen im Wolfspelz. Biljana Milkov erzählt von Orgoniten und Tripgängern, die mit den Bäumen kuscheln.

Ihr habt hier übernachtet, wie war’s?
Biljana: Interessant…

Was heißt das?
Es hat geregnet um acht Uhr morgens. Das war laut und das Wasser hat sich hier über dem Zelt angesammelt. Aber es ging, alles in allem.

Wie ist denn die Resonanz von den Leuten, die euch hier im Avantgarden besuchen kommen?
Wir haben ein ganz unterschiedliches Publikum. Theatergäste, die genießen das hier total, machen Salongespräche und quatschen über Kunst. Und danach hatten wir gestern diese Goa-Menschen, das ist schon Klinikum mäßig. Die müssen erst einmal herunterkommen, relaxen, chillen. Die sind ganz aggressiv aufgeladen.

Weiterlesen

Hinter den Kulissen – Als Techniker auf dem Live Art Festival

Bildschirmfoto 2014-06-17 um 18.22.56© Hubertus J. Schwarz / Hinter den Kulissen / 2014

Sie sind die guten Geister hinter einer perfekten Performance: Die Techniker. Wie von Zauberhand tauchen sie die Bühne in buntes Licht, arrangieren die Shows und sorgen dafür, dass die Besucher nur Ausgepegeltes auf die Ohren bekommen. Wir haben mit Lichtmann Lars Rubarth gesprochen, der uns nicht nur einen Einblick in seinen Festival-Alltag gibt, sondern gemeinsam mit uns einen weiteren Schritt in Richtung Performance-Welt geht.

Hallo Lars, schön dass du Zeit für uns gefunden hast. Wir möchten auf diesem Festival alle Ebenen der Beteiligten abdecken, von den Künstlern über die Leute, die hinter der Bühne arbeiten, und ohne Techniker geht ja bekanntlich nichts. Deswegen erklär uns doch einmal, was dein Job hier auf dem LiveArt-Festival ist.

Lars: Mein Job beinhaltet sowohl Vorarbeit als auch Betreuung. Es war klar, welcher Techniker während der Woche in welcher Halle arbeiten würde, wenn man frühzeitig Wünsche einträgt, kann man sich das sogar teilweise aussuchen. Dann tritt man im Vorwege mit den Künstlern in Kontakt, um herauszufinden, was die haben wollen, damit man am Ende nicht dasteht und nicht genau weiß, was die machen. Das heißt, Absprachen treffen. Auf der Bühne erarbeiten wir später mit dem Equipment, das wir vor Ort haben, die Show, um alle Wünsche möglich zu machen. Mein Bereich ist in dem Fall Licht gewesen. Gemeinsam mit einer zugereisten Lichtdesignerin habe ich die Show entwickelt und hier vor Ort programmiert.

Weiterlesen

Dekonstruktion statt Classics

  © Carla Reveland / Kampnagel / 2014

Skurril, extrem, wild und anders. Kampnagel ruft mit dem „Live Art Festival“ zum Exzess auf. Unter dem Motto „excess yourself“ verwandelt sich das Kampnagel-Gelände dieses Jahr dank seines Performance-Overkills zum Acid Bayreuth.

William Blakes „Wisdom through excess“ dient hier als Leitspruch. Der englische Poet und Künstler des 18. und 19. Jahrhunderts machte sich durch seine revolutionär modernen Lebenseinstellungen einen weltweiten Namen. Sein Zitat „The road of excess leads to the palace of wisdom. You never know what is enough until you know it is more than enough“ gilt in der Popkultur als Grundstein für den Rausch als Lebenseinstellung. Den Exzess als Haltung, als Politikum, als Methode zu sehen, ist Kerngedanke des Festivalkonzeptes. „Excess yourself“ versteht sich gleichermaßen als Motto und Attitüde und nicht als vorgegebene Themensetzung.

Weiterlesen

Wenn Journalisten Drogen schlucken

Medienhölle ahnungsvoll Hubertus

© ahnungsvoll / Medienhölle / 2010

Objektivität ist eine Illusion. Auf welche Hilfsmittel sich ein Journalist auch stützt, er wird nie genügend Abstand zwischen sich und seine Inhalte bringen, um endgültige Gleichgültigkeit zu erlangen. Warum es also versuchen?
 
Objektiver Journalismus, auf den Speisekarten der Journalistenküchen und für die Blue Chips der Medienbranche steht er synonym für seriösen, vollmundigen Journalismus. Man hält den eigenen Geschmack heraus aus der Berichterstattung. Das geschieht mit dem Ziel, wertfrei zu bleiben und den Leser nicht in eine bestimmte Richtung zu lenken. Die Tagesthemen wollen informieren, nicht kommentieren. Der Spiegel kostet Debatten bloß an, er backt sie nicht selbst, lässt allenfalls seine Edelfedern eine vorgeblich unabhängige Meinung zusammenbrühen. Doch köchelt unter dem glattglänzenden Topfdeckel jedes Mediums eine politische Agenda, und die ihm eigene Gewürzpalette aus Werten bedient jeden Redakteur. Nach solchen Rezepten werden die eintrudelnden Informationen wiedergekäut und neu serviert. Ab dem Moment, in welchem der Journalist beginnt, Inhalte zu verfassen, begibt er sich jedoch zwangsläufig in eine immerwährende Grauzone zwischen dem, was er denkt, weglässt und letztendlich wirklich schreibt oder moderiert.
Menschen im Allgemeinen und Medienvertreter im Besonderen sind nie objektiv und sollten nicht versuchen Gegenteiliges aufzutischen. Was aber wäre die Konsequenz, die wir ziehen sollten, was bliebe als Alternative?

Weiterlesen

Ich bin viele. Die Berliner Performerin Antonia Baehr im Gespräch

Antonia Baehr

Antonia Baehr als Beutelwolf

Ich treffe die Berliner Performerin Antonia Baehr im Restaurant Casino auf dem Kampnagel-Gelände in Hamburg. Gerade kommt sie von den Proben zu ihrer Performance „Abecedarium Bestiarium – Affinitäten in Tiermetaphern“, welches beim LIve Art Festival aufgeführt wird. Wir sprechen über Geschlecht, Identitäten und warum die Welt nicht so ist wie sie scheint.

Frida Kammerer: Ein Stück über ausgestorbene Tiere und deren Identität, geschrieben von deinen Freunden. Wie kamst du auf diese außergewöhnliche Idee?

Antonia Baehr: Ich habe mehrere Stücke über die Konstruktion von Identität gemacht. Es geht ja rund um das Thema „Wer bin ich?“ durch den Blick der Anderen. „Abecedarium Bestiarium“ ist ein weiteres Stück in die Richtung.

Kammerer: Wie kamst du auf die Idee mit den ausgestorbenen Tieren?

Baehr: Es ist kein Stück über Tiere. Das Tier ist eine Metapher. Der Vergleich zwischen Tier und Mensch im umgangssprachlichen ist ja sehr geläufig, man sagt zum Beispiel „du kleines Häschen“. Es soll aber kein Stück über ausgestorbene Tiere sein. Die Performance handelt von Beziehungen. Ich habe das Tier als Metapher gewählt, weil das Tier nie das Recht oder die Chance hatte ein Tier zu sein. Es war schon immer für uns Menschen etwas anderes, schon immer eine Metapher oder ein Symbol. Es geht in dem Stück darum, noch weiter in die Richtung zu gehen.

Kammerer: Wieso sollten es dann die ausgestorbenen Tiere sein?

Baehr: Es gibt mehrere Gründe: Erstens hat es damit zu tun, dass wir wenig wissen wie ausgestorbene Tiere aussahen oder wie sie geklungen haben. Zweitens hat es damit zu tun, dass wir uns mit jenen Arten verbunden  fühlen, die nicht effizient genug waren um zu überleben. Deswegen sind sie auch fantastisch und deshalb faszinieren sie uns. Der dritte Grund hat mit temporal drag zu tun. Das kann man schlecht übersetzen, am nächsten käme da wohl der Begriff Transvestitismus, das ist jedoch ein sehr klinischer Begriff. Und das hat ja auch etwas zeitlich begrenztes.

Kammerer: Freunde und Kollegen von dir sollten sich aus der Vielfalt der ausgestorbenen Tiere eines aussuchen, das die Freundschaft zu dir reflektiert. Das ist ja das Konzept deiner Performance. Wie haben deine Freunde auf deine Anfrage reagiert?

Baehr: Das ist relativ kompliziert, denn die Affinität kann viele Formen haben. Ich bin zum Beispiel ein Bär. Dieses Spiel spielt man ja oft: Welches Tier wärst du?  Das ist wiederum auch ein Ausdruck von Freundschaft, wenn man dieses Spiel spielt. Oder von Hass. Es gibt eine Korrespondenz zwischen dem Autor und dem Tier. Sabine Ercklentz zum Beispiel hatte Mitleid mit der Stellerschen Seekuh. Das wichtige dabei ist: Die Stellersche Seekuh ist nicht Sabine Erklinz, sondern Sabine Erklinz hatte Mitleid mit ihr. Die Affinität kann so viele Formen haben.

Kammerer: Dein Tier ist der Bär, wieso spielst du ihn nicht?

Baehr: Weil ich es interessanter finde, dass ich wirklich nur die Stücke der Anderen spiele und mich dadurch selbst als Autor wegradiere. Ich verschwinde hinter den Anweisungen meiner Freunde, den künstlerischen Stilen und was dazu gehört.

Kammerer: In deiner Performance geht es ja auch um Geschlechter und Kategorisierung…

Baehr:  „Abecedarium Bestiarium“ soll binäre Systeme wie Mann/Frau, Tier/Mensch in Frage stellen und ins Wanken bringen. In unserer Kultur zum Beispiel ist es immer ganz wichtig gewesen, zwischen Tier und Mensch zu unterscheiden, zu sagen „Wir sind etwas besseres“. Deshalb müssen wir beweisen, dass wir anders sind als das Tier und auch anders als der schwarze Mensch. Wir müssen beweisen, dass es da einen riesen Unterschied gibt. Das ist unsere westliche Tradition, unsere kulturelle Tradition. Und jetzt gibt es durch die postkolonialen studies und gender studies eine Kritik an dieser europazentierten Weltsicht. Es ist ja eigentlich nur ein Machtsystem. Die Herrscher müssen immer beweisen, dass sie sehr anders sind als jene, die sie beherrschen. Das ist aber eigentlich nur eine Konstruktion. Ein Regime dass immer wieder formuliert wird. Diese Unterscheidung zwischen dem Mensch und dem binären System Mensch/Tier und der gesetzte riesige Unterschied dazwischen, das ist ein binäres System. Diese Perspektive kommt nun ins wanken.

Kammerer: Manche vergleichen deine Performance mit Karneval oder Fasching…

Baehr: Diesen Vergleich finde ich absolut daneben. Für einige ist drag halt eine Kostümfrage. Man verkleidet sich als Mann oder Frau. Da gibt es dann keinen Unterschied zwischen drag und Hamlet, welcher von einer Frau gespielt wird. Dass es da um Identität geht und auch im Begehren, dass ist jenseits deren Horizontes.

Kammerer: Um Begehren? Kannst du das noch einmal genauer definieren?

Baehr: Animal drag und temporal drag müsste ich damit erklären. „Wer bin ich ich? Ich weiß nicht, wer ich bin. Ich bin viele.“ Es gibt nicht eine echte, authentische Identität und dann ein Verkleiden, was sich darauf aufbaut. Es ist alles. Eine Konstruktion und ich bin viele. Das ist der Ansatz, mit wir als Künstler und Forscher beginnen: „Was begehre ich zu sein. Wer wäre ich gern?“  Wenn man sich eine Drag Queen vorstellt, dann merkt man sofort, es hat nichts mit einer Kostümfrage zu tun. Im Theater gibt es einen Regisseur, der sagt dem Schauspieler „Bitte zieh das an“. Das muss aber nicht das identitäre Begehren dieser Person sein, diese Kleidung zu tragen. Eine Drag Queen tut das aber aus Begehren. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Kammerer: Frau Baehr, ich bedanke mich für das Gespräch.

Ein Rezension zu „Abecedarium Bestiarium“ von Antonia Baehr findet sich unter:
liveartfestival.wordpress.com/diegrinsekatze

Hybrid: Zwischen Mensch und Werwolf

Und dann war es dunkel. Die Stirn roch noch immer nach der seltsamen Pesto-Salbe, die eingangs auf die Stirn aufgetragen wurde. In der Ecke ist ein Schatten zu erkennen, sicherlich nicht von großer Bedeutung. Doch dann bewegt er sich und entpuppt sich als übergroße Fledermaus, kopfüberhängend an einer Stange. Bilder flackern auf, immer und immer wieder. Fledermäuse, Werwölfe, Vampire.

Die bildende Künstlerin Corinna Korth spricht in ihrer Performance „Back to the Bone“ von Riten, Traditionen und immer wieder von Werwölfen. Sie selbst war einer. Das behauptet sie zumindest. Hybride nennen sich solche Menschen. Menschen, die einen Teil ihres menschlichen Dasein mit einem Teil eines tierischen Daseins verschmelzen lassen. Corinna Korth sieht Hybride überall, ob in der Zeitung oder bei Menschen, die Adler oder Hirsch mit Nachnamen heißen. Sie bilden den Anfang der Wandlung des Menschen, davon ist Corinna überzeugt. Selbst überzeugter Wolfshybrid, hat sie sich sogar Fangzähne dafür implantieren lassen.

Inzwischen fängt die Salbe auf der Stirn an zu jucken. Vielleicht verwandle ich mich auch gerade? Vielleicht werde ich gerade zum Werwolf oder zu einem Vampir. Die Vorstellung allein spielt mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich und ein Werwolf, ich die Vollmonde liebt.

Corinna Korth ist derweil auf der Bühne in ihre eigene Welt aus Hybriden eingetaucht. Tanzt um eine provisorische Feuerstelle, es hat etwas Animalisches. Diese Zähne, der Gang und dann noch ihre Transformation in Rumänien. Hierhin ist sie extra gereist, um an einem alten Ritual zur Hybridentransformation teilzunehmen. Angeblich hat sie sich hier auch verwandelt. Nur die Bildbeweise lassen daran zweifeln.

Die Bilder flackern weiter, Corinna tanzt noch immer, um dann auf der Bühne zu liegen und wieder von Hybriden, Transformationen, Werwölfen zu erzählen. Ob sie wohl weiß, dass für uns diese Welt voller Hybride und Wesen aus Mythen völlig neu und unbekannt ist. Dass wir eigentlich nur eine einfache Vorstellung über die alten Dracula-Sagen erwartet haben. Stattdessen bekommen wir einen Vortrag. Einen Vortrag über eine angeblich geglückte Verwandlung zu einem Werwolf. Einen Vortrag über eine Salbe, die unangenehm auf der Stirn juckt. Und einen Vortrag von einer Frau, die denkt, dass Hybride die einzige logische Weiterentwicklung des Menschen ist.

Corinna Korth gibt nicht auf. Sie erzählt von ihrem Institut, das sich der Forschung von Hybriden verschrieben hat. Zumindest lässt der Name „Institut für Hybridforschung“ darauf schließen. Und sie erzählt eben von der Reise nach Rumänien, wo sie sich tatsächlich transformierte. Die projizierten Bilder an der Wand belegen das. Ich sehe nur Bilder von einer Frau, die sich Zähne hat implantieren lassen. Und eine Frau die mit Wölfen spricht, als wären es Hunde. Aber Corinna Korth ist ein Hybrid. Ein Werwolf. Manchmal auch eine Fledermaus. Und wenn wir lange genug die Salbe auf der Stirn haben, werden  auch wir zu Werwölfen – das verspricht zumindest diese seltsame Pesto-Salbe.

Körpersprache ist die Kommunikation der Seelen

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist angespannt. Als intelligenteste Spezies ist der Mensch seit jeher übergeordnet und jagt seit Beginn seiner Zeit Tiere um zu überleben. Albert Schweizer nannte diesen Prozess eine mangelnde Ehrfurcht vor dem Leben und appellierte für mehr „Liebe zur Schöpfung als solche“. Mittlerweile hat sich bei Tieren eine fast schon natürliche Scheu vor der Spezies Mensch entwickelt.

Doch wenn wir ehrlich sind, wer kann sich von dieser Scheu vor dem Menschen freisprechen? Innerhalb unserer Gattung, die ebenso intelligent wie grausam sein kann, liegt es ebenfalls in der Natur, zunächst Abstand von unseresgleichen zu halten. Hier scheinen wir dem Tier also sehr zu ähneln.

Die Ins­­zenierung von Regisseur David Weber-Krebs und Dramaturg Maximilian Haas widmet sich genau diesem Thema der Mensch-Tier-Beziehung. In ihrem Stück läuft der Esel „Balthazar“ auf der Bühne umher. Er ist nicht allein, das Darstellerduo Tabea Magyar und Renen Itzhaki versucht durch wechselnde interaktive Bewegung die Aufmerksamkeit des Tieres zu gewinnen. Das Publikum wird an diesem Abend nicht nur Zeuge  und sondern auch aktiver Part eines Forschungsprojekts. Bei jeder kleinen Bewegung dreht der Esel Ohren und Kopf. Dramatische Reaktionen bleiben aus. Die Atmosphäre ist ruhig, die Zuschauer schweigen und so öffnet sich die Wahrnehmung für die kleinsten Veränderungen im Raum.  Während der Vorführung läuft jegliche Verständigung nonverbal ab – Körpersprache ist die Kommunikation der Sinne. Als die Darsteller dem Esel näher kommen und ihre Köpfe auf seinem Rücken ablegen, läuft dieser davon.

Und plötzlich beginnt der Prozess, mit dem die beiden Macher dieser Inszenierung gerechnet haben: Die Zuschauer beginnen sich mit dem Esel zu identifizieren. Situationen, in denen Nähe unangenehm ist, sind bekannt. Fremde Personen treten in die Intimzone ein und durchdringen somit eine imaginäre Mauer der Distanz. Leider ist es den meisten Menschen unmöglich Reißaus zu nehmen, wie es der Esel instinktiv tut.

Wir Menschen nehmen unser Umfeld bewusst wahr, haben Interesse an dem Leben anderer. Auch wir drehen unsere Ohren in die Richtung des Geschehens und möchten möglichst viel mitbekommen, von dem was um uns herum geschieht. Wenn wir jemandem den Rücken zukehren überkommt uns nicht selten ein unwohles Gefühl. Wir versuchen alles im Blick zu haben, zu kontrollieren. Wie der Esel.

Im Grunde sind wir nicht so verschieden wie wir zunächst anzunehmen. So wurde der Zuschauer des Stückes „Balthazar“ auf kontroverse Weise daran erinnert, dass eine Reaktionsprovokation nicht von Nöten ist, um mit Tieren in Kontakt zu treten. Vielmehr sind es die kleinen, feinen Gesten oder Laute, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und Interesse an seinem Gegenüber wecken. Eine bessere Kommunikation gelingt ohne laute Worte und grobe Taten. Eine Message, die angekommen ist: Sensibilität spielt im Umgang mit dem Menschen eine ebenso große Rolle wie mit anderen Lebewesen.